Grochewitz - Online

Diese WEB-Seite schildert die Geschichte eines Dorfes und wird unter dem alten Dorfnamen  Grochewitz betrieben. Die offizielle Bezeichnung des Dorfes ist zur Zeit "Serno - Ortsteil Grochewitz, Landkreis Wittenberg". In der Zukunft könnte am Ortsschild von Grochewitz  "Coswig - Ortsteil Serno" stehen, oder vielleicht Coswig - Ortsteil Grochewitz? Eine Variante wie "Coswig - Ortsteil Serno mit den Dörfern Grochewitz und Göritz" wird es wahrscheinlich nicht geben.
Wie die Luftaufnahmen zeigen, bildet das Dorf, wie auch die meisten anderen Dörfer in diesem Gebiet, eine geschlossene Einheit. Die historisch gewachsenen Dörfer sollten auch weiterhin ihre Geschichte mit dem "alten" Namen verknüpfen, unabhängig von den Gebietsreformen und Eingemeindungen.
Eine Gruppe von Ortschronisten hat sich diese Aufgabe zum Ziel gesetzt und unter großem Zeitaufwand "ihre" Dorfgeschichte in Aktenordnern gesammelt.
Bei den, von Frau H. Grzech (Heimatverein Coswig), Frau J. Preiß (Archiv Coswig) und Frau R. Sommer (Streetz) organisierten Treffen der Dorfchronisten sind regelmäßig 20-30 Teilnehmer anwesend.

Grochewitz
 Das Dorf aus Richtung der Alten Wassermühle (unter dem Flugzeug) fotografiert 

 


Grochewitz
 
Die Straße im Vordergrund kommt aus Richtung Weiden, am Horizont sind die Häuser von Köselitz (sehr klein) zu erkennen  

Die geschichtliche Entwicklung des Dorfes begann wahrscheinlich 1003, als Name wird Dragunice (Drogunize) in einer Urkunde angegeben. 1481 wird Grochewitz in einem Lehensbrief von Philipus, Fürst zu Anhalt genannt. 
Die ausführliche Geschichtsübersicht von Grochewitz kann der Besucher im WEB unter "grochewitzer-geschichten.de" nachlesen.
Die folgenden Texte beziehen sich auf  das Dorf Grochewitz und  die nähere Umgebung. 
Sie sollen auch dazu beitragen, daß die Geschichte von Grochewitz nicht in Vergessenheit gerät, unabhängig von  Gebietsreformen und Eingemeindungen.
Es ist geplant, auf dieser Seite unterschiedliche Themen (Berichte, Beschreibungen, Bilder, usw.), mit Bezug auf Grochewitz, dem Leser näher zu bringen.
Die Dorfchronik von Grochewitz soll nach der Fertigstellung ebenfalls hier veröffentlicht werden.
Die Beschreibung des Flämingdorfes Grochewitz, aus der Sicht eines früheren Chronisten, schildert ausführlich einen Zeitabschnitt der Dorfgeeschichte.

Die folgende Beschreibung (Originaltext) des Dorfes Grochewitz wurde von M. Kühlewind um 1936/38 verfaßt. Diese Beschreibung  ist auch in der WEB-Dokumentation  "grochewitzer-geschichten.de" enthalten.
 

Das Flämingdorf Grochewitz

Grochewitz ist ein echtes Flämingdörfchen. Etwa 11 Km nördlich von Coswig und 6 Km südlich der Bahnlinie Rosslau Wiesenburg liegt es fernab von der lauten Verkehrsstraßen. Zum Dorfe führt noch keine gepflasterte Kreisstraße und auch elektrisches Licht gibt es hier noch nicht .Trotz dieser Mängel an neuzeitlicher Entwicklung macht das Dörfchen mit seinen breiten von Linden und Kastanienbäumen beschatteten Dorfstraße, seinen schmucken Häusern, seiner im Jahr 1874 erbauten Kirche mit der im gleichen Stil gebauten Schule und seiner Molkerei einen freundlichen Eindruck.

Umgeben von ausgedehnten Wäldern und nassen (ß) Wiesenflächen aus denen die Rossel entspringt, ist der Ort wohl geeignet, dem Städter vom Hasten und Treiben des Alltages Ruhe und Frieden zu bringen. Wegen dieser idyllischen Lage hat der anhaltische Lehrerverein für seine Mitglieder aus einem dicht beim Dorf befindlichen Jägerhäuschen ein freundliches, bescheidenes Erholungsheim eingerichtet. Auch schon in früheren Zeiten ist Grochewitz gern aufgesucht worden.

Die anhaltischen Fürsten haben in alten Zeiten ein Gut zu Grochewitz besessen und in den wildreichen Revieren oftmals gejagt.

Durch Urkunde vom 1. Juli 1491 hat Fürst Philipp zu Anhalt das Dorf Grochewitz mit Zubehör wie es der Fürst selbst gehabt hatte, den Gebrüdern Hans, Cuno und Jakob von Lattorf und ihren Erben zur gesamten Hand als Mannlehen gegeben.

Als Zeugen haben diese Urkunde Arnt von Wolffen, Hauptmann zu Rosslau, Arndt von Wulffen, Comtur von Buro, Hans Frobose und Cuno Werder unterzeichnet.

1519 wird Hans von Lattorff auf Dornburg und Grochewitz genannt. Am 1. Januar 1523 ist Ernst von Lattorff vom Fürsten Wolfgang von Anhalt mit dem Dorfe Grochewitz belehnt worden.

 Dornburg und Grochewitz sind nach dem Tode des Wolf Ernst von Lattorff, der in der Kirche  zu Dornburg am Altar beigesetzt wurde, im Jahre 1586 an seine Vetter in Klieken gefallen. Der Kliekener Linie hat Grochewitz bis zum Jahre 1677 gehört.

Am Tage Jakobi 1677 verkaufte Mathias von Latttorff das Dorf Grochewitz zusammen mit der wüsten Mark Albitz an den Fürsten Karl Wilhelm zu Anhalt Zerbst für 15000 aufhaftende Reichstaler.

Ein Rundgang durch das Dorf

 Grochewitz hatte früher nur einen Eingang, nämlich den zwischen Kirche und Molkerei. Später entstand der Zugang in Südost. Da dieser Weg über bruchiges Gelände führte, musste hier ein Knüppeldammweg angelegt werden. Der Damm wurde in Kabeln eingeteilt und jeder Einwohner hatte ein bestimmtes Stück des Weges zu erhalten. Der nördliche Ausgang machte sich zur Zeit der Separation notwendig.

Das frühere Armenhaus hat 1870 der Schäfer Christian Tietz gekauft.

An das schon beschriebene Schulzengut schloss sich nördlich das Knapesche  Hüfnergut – heute Urban – an. Neben diesem befand sich die alte Schmiede, die der Hufschmied George Hahn aus Undersdorf erbaut und im Jahre 1748 mit dem dazu gehörigen Hannes Pulschen  Kossatengute an seinen Bruder Martin Hahn verkaufte. Die Schmiede hat bis zum Jahre 1913 der Meister Wernicke betrieben. Von Ihm hat das Grundstück der Schulze Friedrich erworben und die Schmiede abbrechen lassen. In dem zur Schmiede gehörigen Wohnhause sind während des Weltkrieges die der Gemeinde als landwirtschaftliche Hilfskräfte überwiesenen russischen Gefangenen untergebracht gewesen. Neben der Schmiede wohnte der letzte Zoll- und  Geleiteinnehmer Christian Nebel, der zugleich Kossat war.

Am nördlichen Dorfausgang sehen wir noch das alte Hirtenhaus = 1749 wird die Klara-Katherina Kulicke geb. Puhlmann als Hirtin genannt.

Von den beiden Gasthöfen im Orte ist der Kasesche der ältere. Er ist der alte Dorfkrug. Als Schenken werden 1738 Christian Gantzer, dem der Kossate George Liske Geld leiht, sowie  1756 – 1796 Georg Pick zugleich als Kossatengutsbesitzer genannt.

In alten Gerichtsakten wird auch erwähnt, dass Andreas Pulz 1756 von Johann Kase das Kossatengut zwischen Knape und Nebel mit Acker und dem sogenannten Kohlhofe an dem Dorfe gekauft hat. Wo dieser Kohlhof gelegen habe ich nicht mit Sicherheit feststellen können. Es wird vermutet, das er abgebrochen ist und sich im Hennigschen Garten befunden hat, da diese Gegend heute noch „Kohlhai“ heißt.

Auch die Familien Rietz, Fleming, alle  sind in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Grochewitz begütert gewesen.

In das Pulzsche Gut  hat nun Friedrich geheiratet. Da gab es in Grochewitz Schulze Friedrich, Bauer Friedrich, Muntel (?) Friedrich und Pich -Friedrich. Das Nebelsche Halbspännergut hat 1847 Gottlieb Hildebrand aus Wittenberg gekauft.

 

Das fürstliche Gut

Das fürstliche Gut stand an der Stelle, wo sich heute der Schulzenhof P. Nr. 1 befindet.

Wenn man von Südwesten her den Dorfplatz betritt gelangt man rechts am Gehöft von Herrmann Henning vorbei zum Schulzenhofe. Das breite stattliche Schulzenhaus mit seinem Aushangkasten, der aus mehreren Stufen bestehenden Treppe und  den blumengeschmückten Fenstern ist leicht zu erkennen. Das älteste Bauwerk des Gutes ist der Pferdestall. Ein Balken auf dem Stallboden trägt die Inschrift „von Christian Friedrich 1777 erbaut“.

Der jetzige Schulze Herrmann Friedrich I hat den Hof von seinem Schwager gleichen Namens, in dessen Familie das Mannlehen und Allodial  Hüfner und Gerichtsschulzengut Generationen lang gewesen war, im Jahre 1913 gekauft. Zum Hofe gehören mehr als 800 Morgen Acker, Wiesen und Wald.

 

Die alte Wassermühle

Etwa 1500 m südwestlich vom Dorf Grochewitz befindet sich an der Rossel eine alte Wassermühle. Das Wohn- und Mühlgebäude ist 1933 mit einer steinernen Vordermauer versehen worden. Bei dieser Gelegenheit ist auch die schöne alte Tür mit schmiedeeisernem Klopfer vom Haupteingang weggenommen und  am Eingang zur Mühle befestigt worden. An dem alten Fachwerkgiebel an der Westseite ist aus einer Inschrift zu ersehen, dass der Müller Kotze die Mühle im Jahr 1796 umgebaut hat. Der heutige Besitzer, Landwirt und Müllermeister Paul Müller hat die Mühle am 17. Januar 1929 von seinem Vater erworben und gründlich erneuern lassen. Wegen des zur Zeit herrschenden Wassermangels kann nur noch geschrotet werden. Seinen Haupterwerb muß der Müller jetzt durch Landwirtschaft verdienen. Die Mühle wird heute hauptsächlich vom Wasser des Lehnitz-Baches getrieben, der von Süden in die Rossel fließt und auf den Lehnitzbergen im Bukoer Flur entspringt. Früher war das Quellgebiet der Rossel noch wasserreicher. Ein großer Erlenbruch breitet sich zwischen der Mühle und dem Dorf aus. Vor etwa 50 Jahren sind die Erlen ausgerodet und das Sumpfland teils urbar gemacht, teils in Wiesen umgewandelt. Außerdem ist der Mühle Wasser und Kraft durch Trockenlegung und Verkauf der 11 Morgen großen, nördlich der Mühle gelegenen Teiches, dessen Staudamm noch deutlich sichtbar ist, entzogen worden. Bis 1913 war noch ein Mahlgang in Betrieb. In früheren Zeiten war soviel Wasserkraft vorhanden, dass neben der Mahl- und Schrotmühle auch noch eine Schneidemühle angetrieben werden konnte. Die Pfähle der Schneidemühle befinden sich noch heute im Wasser unter schattigen Erlen und Fliederbüschen. Die 1 Morgen große Wiese südlich der Mühle, am Wege nach Buko, ist auch Holzlagerplatz gewesen. Zur Grochewitzer Mühle gehörte noch eine Schneidemühle, die etwa 2 km Rossel abwärts in Bukoer Mark auf der Klase’schen Wiese stand. Diese Schneidemühle ist im Jahr 1874 abgebrochen worden. In Grochewitz wohnt noch eine 80 Jahre alte Witwe Reindorf, die in der Mühle geboren ist. Ihr Vater war der letzte Schneidemüller.

Die Grochewitzer Wassermühle hat eine lange und wechselvolle Vergangenheit. Der Vater des jetzigen Besitzers hat sie 1887 vom Müllerbesitzer Laue erworben. Letzterer hatte sie am 22.Juni 1881 in der Zwangsversteigerung von Louis Weise ersteigert. Laues Vorgänger war Christian Doebert gewesen und vor diesem hat die Familie Kotze die Mühle mehrer Generationen hindurch besessen. Damals machten die Müller noch ein gutes Geschäft. Die Kotzes sollen sehr wohlhabend gewesen sein. Ihnen gehörte noch die zweite Schneidemühle zwischen Grochewitz und Bräsen, sowie die Wassermühle zu Weiden.

Die Grochewitzer Mühle war früher Eigentum der Anhaltischen Fürsten. Sie wurde als fürstliche Mühle des Amtes Coswig bezeichnet. Als die Fürsten noch selbst in den wildreichen Revieren von Grochewitz jagten, sind in der Mühle öfter große Jagdgelage gefeiert worden. In im oberen Stockwerk des Wohnhauses befindlich gewesene Tanzsaal lässt die Vermutung zu, dass es bei diesen Festen lustig zugegangen ist.

Die Gerechtsame der Mühle

„Um die Mühle möglichst ertragreich und gewinnbringend zu gestalten, wurden sie von der Herrschaft bei ihrer Gründung mit Privilegien ausgestattet.
 Die Einwohner des Ortes und zuweilen auch der Nachbardörfer mussten in der Mühle ihr Getreide mahlen lassen.
Dieser Mahlzwang bestand auch für die Einwohner von Grochewitz und Cobbelsdorf gegenüber der Grochewitzer Mühle. Außerdem mussten die Hüfnergutsbesitzer in Grochewitz der Landesherrschaft jährlich 6 leichte Spanndienste mit Pferden oder Ochsen leisten, nämlich:

1.Sandfuhren zu den Brücken an der Grochewitzer Mühle aus der ¼ Stunde entfernten Sandgrube, wobei 5 Sandfuhren als 1 Hofdiensttag gerechnet wurden.

2. Holzfuhren zu Baulichkeiten an der Mahlmühle, der Schneidemühle und den Brücken, wobei jede Fuhre als ein Hofdiensttag zählt. Waren die Bäume aus dem Sernoer Forstrevier zu holen und schwerer als 8-10 Zentner, so wurde eine Fuhre nach der Schwere des Baumes 2-4 Hoftage gerechnet.

3. Fischfuhren. Aller 3 Jahre wurde der Grochewitzer Mühlteich ausgefischt. Hierzu mussten von Coswig das Fischgerät geholt und nach gemachtem Gebrauch nebst den gefangenen Fischen dorthin zurückgefahren werden. Eine solche Fuhre wurde als 1 Hoftag gerechnet.

4. Mühlsteinfuhren. Etwa alle 8- 10 Jahre wurden Mühlsteine von Coswig zur Grochewitzer Mühle gefahren, wobei eine Fuhre 4 Hofdiensttage gleich gerechnet wurde.

5. Maurer und Ziegelsteinfuhren von der herrschaftlichen Scheune bei Coswig zur Grochewitzer Mühle. Die Ladung von 200 Ziegeln oder 100 Mauersteine wurden als 1 Hoftag gerechnet.

6. Wildbretfuhren von der Grochewitzer Mühle mit daselbst erlegten Hirschen und wilden Schweinen nach dem Sernoer Forsthaus. Die meisten Spanndiensttage wurden durch Sandfuhren abgetan und nur ausnahmsweise mussten die schweren und zeitraubenden Mühlsteine, Holz- und Mauersteinfuhren geleistet werden. Als Gegenleistung für einen Spanndiensttag zahlte die Herrschaft den Dienstpflichtigen 6 Groschen. Der Erbpachtmüller Kotze war ebenfalls berechtigt Spanndienste bei vorkommenden Bauten und Erweiterungen für sich in Anspruch zu nehmen.“

Der Gemeindeforst

Das Dorf besaß eigenen Wald. Wege seiner Nutzung gab es öfter Streit zwischen dem Schulzen und der Gemeinde. Im Jahre 1714 wurde deswegen ein Verfahren beim Justizbeamten in Coswig anhängig, in dem die streitenden Parteien vor Gericht folgenden Vergleich schlossen:

Wenn ein Einwohner im Dorfe einen Neubau verrichtet, soll er befugt sein 15 Stück Bauholz im sogenannten Sterz  und 3 Stück in der Heide zu hauen, imgleichen auch die Latten freihaben. Wenn er aber mehr braucht, so muß er der Gemeinde für jedes Stück 2 Groschen zahlen. Das Holz muß Montags oder Sonnabends gefällt werden. Wer außer dieser Zeit im Gemeindewald betroffen wird, ist in 4 Groschen Strafe verfallen. An diesen 2 Tagen müssen auch Leiternbäume und Pflugstorze gehauen werden. Auch Zaunreisig kann geholt werden, aber nicht mehr als zum Gehege gebraucht wird. Dabei muß das junge Holz geschont werden. Krippen und Stielbäume dürfen geschlagen werden. Kummetbäume und Hopfenstangen sollen abgeschafft werden, sie müssen von der Gemeinde gekauft werden. Wenn große Windfälle gewesen sind, muß dies dem Schulzen gemeldet werden. Alsdann wird das Holz gemeinsam aufgehauen und verteilt. Wer sein angewiesenes Bauholz nicht innerhalb eines Vierteljahres aus dem Walde schafft geht dessen verlustig.

In jedem. Jahre sollen sich am Tage Maria-Verkündung, Johannes, Michaelis und Weihnachten diejenigen melden die Holz brauchen. Dann wird es an diesen Tagen angewiesen werden. Wer sein ganzes Fach von dem ihm zukommenden Gehege nicht macht, so daß  er bei der Besichtigung offen befunden, wird bestraft. Es soll sich keiner unterstehen von den Gehegen im Dorfe oder im Felde etwas wegzutragen. Darauf ruhen 8 Groschen Strafe. Wer sich aber von solchen Mauserei nicht abhalten lässt wird dem Gericht zur Verhängung einer Gefängnisstrafe angezeigt.

Bei dieser Gelegenheit sind auch Unzuträglichkeiten während der Weidezeit zur Sprache gebracht und vom Gerichte nachgehende Ordnung getroffen worden:

Wenn ein Pferd, Rindvieh oder Schwein nach Sonnenaufgang in fremder Weide getroffen  und gepfändet wird, soll 1 Groschen Pfandgeld für jedes Stück erlegt werden, nach  Sonnenuntergang aber 2 Groschen, ebenso für eine Rotte Gänse.

Wer diese Strafe nicht an die Gemeinde bezahlt, soll vor Gericht zu vierfachem Betrage verurteilt werden.

 

Vom Besitzstand und die Abgaben der Grundstückseigentümer
im Jahre 1793

Als der letzte Fürst von Anhalt Zerbst gestorben war, hat der Amtmann Caletzki in Coswig am 17. Juli 1793 ein genaues Verzeichnis der Grundstückbesitzer im Amte Coswig und deren Abgaben aufgestellt. Danach waren im Amtsdorf Grochewitz ansässig:

Der Lehnschulze Christoph Friedrich,

Die Anspänner Christoph Hahn, Christoph Friedrich, Simon Krüger und Georg Knape

Die Kossaten Michael Höhne, der Schenk und Kossat Georg Pech (?),Gottfried  Göricke,  Thomas Pech (?), Andreas Hahnrich, Christoph Arendt, Christian Nebel

Der Schmied David Töpfer

Der Einwohner Müller

Der Müller Kotze.

Der Schulze besaß 71/2  Hufen Acker, wovon 6 Lehnhufen waren. Seine Wiesen lagen im Hufschlage und gaben 4 Fuder Heu und 1 Fuder Grummet. Er hatte auch eine Freiheit, die aus Wiese und Holz bestand. Dort hatte er vom 1. Mai bis Michaelis die alleinige Hütung für sein Vieh. Auf dem Hufschlage hatte er einige Eichen, etwas Birken und Espen  und meistens Kiefernholz.

An Abgaben musste er geben:

1 Taler            1 Silbergrochen             Dienstgeld

                         7 Silbergrochen            Dragonergeld
4 Taler            12 Silbergrochen            Landsteuer   

                         6 Silbergrochen            Kirchensteuer

    und 10 Scheffel 3/4 Metzen                Roggenpacht

 

Der Pastor erhielt den Zehnt und für jede Person 8 Pfennige Opfer. Der Schulmeister in Buko bekam von hm 1 Scheffel 2 Metzen Roggen und dem Katecheten zu Grochewitz mußte er 9 Metzen Roggen geben.

Die übrigen Anspänner hatten durchschnittlich 6 Hufen Acker. Ihre Abgaben waren dieselben wie beim Schulzen.

Die Kossaten besaßen ½ Hufe Land, von ihrer Wiese konnten sie nur 1 kleine Fuhre Heu ernten, Holz gehörte ihnen nicht. An Abgaben zahlten sie entsprechend weniger als Anspänner, dazu kam aber für 2 Zinsgänse 12 Silbergroschen und für 2 Hühner 6 Silbergroschen.

Der Müller Kotze besaß die Mahl- und Schneidemühle, hatte eine Wiese, die sogenannte Kahlwiese, die 1 kleines Fuder Heu gab und eine bei Coswig gelegene Hofwiese.

Er mußte der Herrschaft in 4 Terminen jährlich 45 Taler Mühlpacht, 6 Silbergroschen 6 Pfennige Wiesensteuer und ebensoviel Quartsteuer für die Hofwiese entrichten.

Vermögen seines Erbpachtvertrages wurden ihm aber Bau- und nötigen Fuhren am Teich auf Herrschaftsdienste verrichtet.

Die Gemeinde gab der Herrschaft jährlich 16 Silbergroschen 8 Pfennige Schoß für die Hütung auf dem Ziechenberge (? 24), ferner muß sie 3 ordinäre Guasten (?) mit 22 Talern 2 Silbergroschen 3 Pfennigen der Herrschaft geben und sich gefallen lassen, dass noch 2, 3 oder gar 4 außerordentliche Guasten (?) ausgeschrieben wurden.

Von dem Lämmer- und Kälberzehnt bekam das Pachtamt Coswig zwei und der Pastor 1 Teil, vom Gänsezehnt die Herrschaft 2 und der Pastor 1 Teil.

 

Aus dem Nachlaß von M. Kühlewind „Verzeichnis der Ortschaften – 06 Grochewitz -
(Originalmanuskript Stadtarchiv Coswig-SA, wahrscheinlich ist diese Artikelserie 1937/38 entstanden.
Es wird angenommen das M. Kühlewind Beamter beim Grundbuchamt des Herzoglich Anhaltischen Amtsgerichtes Coswig war. Eine Grundbucheintragung in  Bd. III Bl. 136 Abt. Grochewitz von 1924  wurde mit seiner Unterschrift bestätigt.

 

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Verfasser von „Grochewitz-Online“
Dagmar und Manfred Richter
Luftbilder: M.Richter

E-Mail: d-m-richter@t-online.de